Rückblick: Museumsnacht on tour am 04.11.2021

Das waren unsere Touren am Donnerstag, den 4. November 2021:


Tour #1: Body Awareness-Bilder, Kunst zum Ausleihen & exklusive Einblicke ins Belgische Haus (inkl. Rikscha-Fahrt)

Was für ein facettenreicher Abend! Ihr habt die schonungslosen und humorvollen Körperbewusstseinsbilder der österreichischen Malerin Maria Lassnig gesehen, erfahren, wo ihr euch Kunst für zu Hause ausleihen könnt und exklusive Einblicke in das Belgische Haus, den Interimsstandort des Römisch-Germanischen Museums, bekommen.

Los ging es mit einer individuellen Führung im Käthe Kollwitz Museum, das Werke der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig (1919-2014) aus der Sammlung Klewan zeigte. „Ich male und zeichne nicht den ›Gegenstand‹ Körper, sondern ich male Empfindungen vom Körper“, so beschrieb die Künstlerin selbst ihr Schaffen. Und sie wusste auch: „[…] als Frau hat man es viel schwerer. Man muss doppelt so gut sein, dass man anerkannt wird.“ In ihren schonungslosen und zugleich humorvollen Körperbewusstseinsbildern reflektierte sie sich selbst und entwickelte einen eigenen künstlerischen Ausdruck zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Maria Lassnig gilt heute als eine der wichtigsten Malerinnen der Gegenwart.

Der Puls stieg, als unsere Rikschas vorfuhren, die uns zur zweiten Station des Abends brachten: Die artothek.

Wusstet ihr vorher schon, dass es in Köln seit 1973 einen Ort gibt, an dem man sich Kunstwerke für zu Hause einfach ausleihen kann – und das zu erschwinglichen Preisen? Die artothek – Raum für junge Kunst bietet neben der Ausleihe zeitgenössischer Kunst aber auch einen Ort für Ausstellungen Kölner Künstler sowie internationaler Gäste mit dem Ziel der Förderung und Vermittlung junger Kunst. Wir haben hier eine Führung mit vielen spannenden Infos zur artothek und durch die aktuelle Ausstellung von Deren Ercenk (Chargesheimer-Stipendium für Medienkunst 2020) bekommen.

Nach so vielen neuen Eindrücken war es Zeit für eine kleine Verschnaufpause und ein leckeres Getränk.

Der dritte und letzte Kunstort, den wir an diesem Abend für eine ganz exklusive Führung besucht haben, war das Belgische Haus (französisch: Maison Belge). Das fünfstöckige Gebäude mit der markanten Tuffsteinfassade wurde vom Kölner Architekten Johannes Schüller entworfen; als Innenarchitekt wirkte Hans Hansen. Anfang 1950 eröffnet, war es das erste ausländische Kulturinstitut nach dem Zweiten Weltkrieg in Köln. Neben Büros verfügt das Haus über Räumlichkeiten für Ausstellungen und einen Vortrags- und Kammermusiksaal. Das Belgische Haus blickt auf eine facettenreiche Geschichte zurück – aktuell beherbergt es das Römisch-Germanische Museum für die Dauer der Bauarbeiten in dessen Stammsitz am Dom. Mit den Römern begann vor mehr als 2000 Jahren die Geschichte der Stadt Köln. Feldherren und Kaiser, Soldaten und Bürger aus aller Welt, Händler und Handwerker – sie alle hinterließen über 400 Jahre lang ihre Spuren. Das Römisch-Germanische Museum bewahrt diese Zeugnisse der Vergangenheit: Prachtvolles Glas, detailreiche Inschriften, aber auch Handelswaren, Handwerksprodukte und Alltagsgegenstände geben einen Einblick in das Leben der Stadtbewohner.


Tour #2: Reise zum Mond, nach Tokyo und in den globalen Süden (inkl. Rikscha-Fahrt)

Diese Tour versprach: Eine ganz besondere Reise zu einmaligen Orten, viele spannende Insiderfacts und ganz viel Asien-Feeling!

Los ging es mit einer guided Tour durch das Japanische Kultur Institut und die gerade erst eröffnete Ausstellung “Tokyo – Before/After”. Die pulsierende Metropole war schon immer ein beliebter Fotospot. In dieser Schau werden Fotografien aus dem Tokio der 1930er/40er Jahre gezeigt und Fotografien, die nach 2010 entstanden sind, gegenübergestellt. Eine fotografische Reise durch Tokio von verschiedenen Fotografierenden.

Direkt nebenan – im Museum für Ostasiatische Kunst – erwartete uns das nächste Highlight: “100 Ansichten des Mondes” mit faszinierenden Farbholzschnitten von Tsukioka Yoshitoshi. Dieser war der letzte große Holzschnittkünstler in der Tradition des japanischen Ukiyo-e,  und die 100 Ansichten des Mondes gelten als seine größte Schöpfung. Die Serie lässt die Geschichte und die Mythologie des alten Japan lebendig werden. In allen Drucken spielt der Mond eine prominente Rolle, manchmal ist er deutlich zu erkennen, manchmal wird auf ihn nur in den schönen Gedichten der Textkartuschen verwiesen. 

Erstmal zurücklehnen und entspannen hießt es während der folgenden Rikschafahrt. Am Aachener Weiher vorbei ließ sich sogar der Kölner Mond erblicken.

Als letzte Station steuerten wir das Rautenstrauch-Joest-Museum an. Die Ausstellung “RESIST!” beleuchtet 500 Jahre antikolonialer Widerstand im Globalen Süden und erzählt über die koloniale Unterdrückung und ihre Auswirkungen bis heute. Die Schau ist eine Hommage an die Menschen, die auf unterschiedlichste Art Widerstand geleistet haben und deren Geschichten bis heute kaum erzählt oder gehört werden.


Tour #3: Top secret: Kölns Schatzkammer, geheime Maltechniken & der geteilte Picasso

Das war eine Tour, in der sich ein hochkarätiges Highlight an das nächste reihte! Ihr habt erkundet, was in Kölns Schatzkammer verborgen liegt, die geheimen Maltechniken der großen Künstler:innen entdeckt und einen unbekannten Picasso kennengelernt.

Wir sind bei einer aufregenden Führung in die Domschatzkammer hinabgestiegen und haben kostbare Reliquiare, liturgische Geräte, Handschriften, Gewänder und Insignien der Erzbischöfe und Domgeistlichen vom 4. bis ins 20. Jahrhundert bewundert. Der sagenumwobene Domschatz, dessen Anfänge schon für das 9. Jahrhundert bezeugt sind, präsentiert sich in den ausgebauten historischen Kellergewölben des 13. Jahrhunderts an der Nordseite des Kölner Domes.

Zurück an der Erdoberfläche, haben wir euch erstmal auf ein Kölsch (oder ein Softgetränk) ins früh am Dom eingeladen, wo ihr in Ruhe die ersten Eindrücke verarbeiten konntet.

Nach der kleinen Verschnaufpause ging es weiter zum Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud. Bei einer individuell auf uns zugeschnittenen Führung wurden die geheimen Tricks von Meistern wie Martini, Cranach, Rubens, Rembrandt, Friedrich, Manet und Monet enthüllt. Kunsttechnolog:innen des Museums untersuchten über  zwanzig Jahre hinweg Gemälde von prominenten Malern aus Spätmittelalter, Barock, Romantik, Realismus, Impressionismus und Symbolismus. Mit Röntgenstrahlen, Infrarot und Stereomikroskopen schauten die Expert:innen nicht nur auf die Malschicht, sondern auch in sie hinein und durch sie hindurch – egal ob auf Papier, Leinwand, Holz, Metall oder sogar Stein. Die dabei zu Tage geförderten Forschungsergebnisse sind spektakulär und werden hier erstmals epochenübergreifend präsentiert. Dieser einmalige Blick hinter die Kulissen der Kunst lässt 700 Jahre Malerei in einem neuen Licht erscheinen.

Für das große Finale dieser Museumsnacht on tour sind wir für eine weitere exklusive Führung ins Museum Ludwig eingekehrt. In der Sonderausstellung „Der geteilte Picasso. Der Künstler und sein Bild in der BRD und der DDR“ geht es nicht nur um den Künstler, son­dern auch um sein Pub­likum, das sich im kap­i­tal­is­tischen West­en und im sozial­is­tischen Os­ten Pi­cas­sos Kunst denk­bar ver­schie­den zurechtlegte. Pi­cas­so eignete sich als Galions- und Pro­jek­tions­fig­ur in bei­den Sys­te­men und bei­den deutschen Staat­en. Er war Mit­glied der Kom­mu­nis­tischen Partei Frankreichs, un­ter­stützte Be­frei­ungskämpfe und Frie­den­skon­gresse. Aber er lebte im West­en und ließ es zu, dass die bürg­er­liche Kri­tik ihn zum un­poli­tischen Ge­nie, zum „Ge­heim­nis Pi­cas­so“ stil­isierte. Welche Werke wur­den im Sozial­is­mus, welche im Kap­i­tal­is­mus gezeigt? Wie wurde Pi­cas­so ver­mit­telt? Sah der West­en die Kunst, der Os­ten die Pol­i­tik? Was sah der Kün­stler selbst? Der geteilte Pi­cas­so un­ter­sucht das Bild, das sich hüben und drüben aus Pi­cas­sos Bildern machen ließ.


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